"30 Jahre wfk" (2002)
Künstlerische Forschungsarbeit

Gunther Schmigalle
Exemplarischer künstlerischer Forschungsgang in Konfrontation mit einem Werk von Francis Bacon
Unabhängig vom sakral-morbiden (schwarz-rot-gelbgrün) Farbklang des vorgestellten Werkes von Francis Bacon (Triptychon, inspiriert von der Orestie Aischylos’, 1981), auch unabhängig von den sich zersetzenden menschlichen Figuren oder dem geheimnisvoll hybrid-animalischen Flugwesen muss das Augenmerk vor allen Dingen auf folgendes geworfen werden: den sich ent-ordnenden Raum.
Darin unterscheidet sich dieses von seinen sonstigen Werken, in denen die sich verflüssigenden Subjekte in einem Raumgefüge
Halt zu finden scheinen.
Darin, d.h. in der Abwendung vom strukturiert / strukturierenden Raum, nicht durch die Farbwahl oder die Spezifika der Figuration, kommt der Maler seinem Thema, dem Wahnsinn, am nächsten.
Zunächst wäre da der nicht-einheitliche Fluchtpunkt der drei Tafeln, die doch ansonsten vom formalen Aufbau als Raumeinheit zu erscheinen scheinen. Dann muss die verwirrende Inkonsistenz der Käfige auf der rechten und der linken Tafel erwähnt werden. Weiterhin die Raumproblematik im Mittelteil: Thron, Podest, Läufer, Wandteppich; auch die sich nach oben und hinten in räumliche Dubiosität entwindenden Wesen auf der linken und rechten Tafel.
Die Fensterdurchbrüche auf den beiden Außentafeln; vor allem in Bezug auf die schwarzen Hinterzimmer.
Damit stellt sich ganz allgemein die Frage nach dem Sichtbaren und dem Unsichtbaren, nach dem Drinnen und Draußen oder dem Vorne und dem Hinten: Die Ordnung in uns, die Wahrnehmung der Welt als einer geordneten und die Abbildung als solcher durch den Maler. Die Katastrophe des letzten und des ersten Blicks.
Gunther Schmigalle (Vorklasse)
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